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Wie französische Flüchtlinge wirtschaftliche Impulse geben

1667

 

Ein Beispiel dafür, wie Feuerthalen von der Innovationskraft französischer Flüchtlinge profitiert, ist der in den 1660er Jahren vom französischen Ort Allex eingewanderte und später eingebürgerte Peter Burger. Burger richtet in Feuerthalen zunächst eine Tuchfabrikation ein, was ihm allerdings von Schaffhausen schon bald verboten wird. Er ist aber Ideenreich und sieht eine Lücke, um gleichwohl unternehmerisch tätig werden zu können. Zusammen mit dem Zürcher Unternehmer Hans Holzhalb zieht er 1667 die Fabrikation und Färberei von Seidenbändern auf. Die Schaffhauser wollen dies wiederum unterbinden, doch die angerufene Zürcher Obrigkeit lehnt die Klage ab. Sie verweist bei ihrer Urteilsbegründung auf den Schaffhauser Bürger Hans Georg Harder, der in Feuerthalen in jener Zeit auf sechs Stühlen zu je 16 Schifflein Seidenbänder produziert: "Wann es nun diesem Schaffhauser recht ist, auf Zürcher Gebiet ein solches zu tun, warum sollte es einem rechtmässigen Landsässen nit billig sein? Ist hiermit nichts neues, sondern was Harder vor Peter Burger getrieben und noch treibt." Schaffhausen muss das Urteil aus Zürich akzeptieren und Burger gewähren lassen.
Dieser entwickelt oder adaptiert schon bald die sogenannte Bändelmühle, eine technische Erfindung, deren maschinenmässige Bandproduktion die althergebrachten Manufakturen stark beunruhigt. 1670/71 allerdings muss Burger aufgeben. Sein Schwager Jakob Mallet aus Genf übernimmt die Fabrik und kann die Arbeitsplätze eine Zeitlang erhalten. Rund 100 Jahre später, nämlich 1765, vermittelt der eingebürgerte Glaubensflüchtling Franz Ferron neue Impulse in der Strumpfbandweberei. Wie lange sich Ferron halten kann, ist nicht überliefert.

 



Die französische Gemeinde Allex, aus der Peter Burger stammte.

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