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Die Feuerthaler Schule wächst

1831 – 1900

Nach dem kurzen Bildungsaufschwung während der Helvetik (1798 bis 1803) verliert die Schule im Zeitalter der Mediation und Restauration (1803 bis 1831) deutlich an Bedeutung. Zwar gilt theoretisch weiterhin die Schulpflicht, aber diese wird nicht durchgesetzt. Erst mit der liberalen Revolution im Jahre 1831 ändert sich das wieder. Für die neue freisinnig Regierung hat eine gute Schulbildung oberste Priorität. Sie ist überzeugt, dass Bildung eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftlichen Wohlstand ist. Die Kantonsverfassung von 1831 hält deshalb fest: «Sorge für die Vervollkommnung des Jugendunterrichtes ist die Pflicht des Volkes und seiner Stellvertreter.»

Der Besuch der Volksschule von der 1. bis zur 6. Klasse (Alltagsschule) wird nun für alle Schülerinnen und Schüler obligatorisch und kostenlos. Das Fächerangebot wird ausgebaut. Wer unterrichten will, muss das Lehrerseminar besucht haben, was vielen bisherigen Lehrern die Stelle kostet. An die Primarschule schliessen zwei Jahre Repetierschule an, die nur an wenigen Halbtagen pro Woche besucht werden muss und nur der Festigung des Primarschulstoffes, nicht aber der Erweiterung des Wissens diente. Die Begabteren können alternativ auch bereits eine Sekundarschule besuchen (siehe nächster Abschnitt).

Das Schul-Obligatorium lässt sich jedoch noch immer nicht konsequent durchsetzen. Immerhin steigen die Schülerzahlen in Feuerthalen von 1838 bis 1870 von 72 Kindern auf 84 Kinder.

1877 erlässt der Bund das erste Fabrikgesetz. In diesem Jahr wird die Kinderarbeit verboten. Gleichzeitig wird das Schulwesen auf Kantonsebene revidiert. Die Schulpflicht wird nun erstmals wirklich durchgesetzt. Die Schülerzahlen steigen rasch. 1880 besuchen 101 Kinder die Feuerthaler Schule, 1882 sind es schon 116 und 1899 200.

1882 wird die Alltagsschule (heute würde man von Primarschule sprechen) in eine Elementar- (1. – 3. Klasse) und eine Realabteilung (4. – 6. Klasse) gegliedert. 1899 werden gar drei Stufen geschaffen, nämlich eine 1. – 3. Klasse, eine 4. – 5. Klasse sowie eine 6. – 8. Klasse. Die wachsende Bedeutung der Schule zeigt sich 1900 auch im Bau eines neuen stattlichen Schulhauses. Das Schulhaus Spilbrett thront prominent auf dem Hügel oberhalb der Adlergasse mit freiem Blick zum Munot . Heute dient das Gebäude als Gemeinschaftszentrum der reformierten Kirchgemeinde Feuerthalens und als Standort der Feuerthaler Schulverwaltung.
Die Karikatur verdeutlicht den hohen Wert der Bildung im liberalen Staat. Helvetia verteilt gratis Bildung an die wissenshungrigen Kinder (Karikatur 1902).
Die Karikatur verdeutlicht den hohen Wert der Bildung im liberalen Staat. Helvetia verteilt gratis Bildung an die wissenshungrigen Kinder (Karikatur 1902).

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