Feuerthalens ganz besondere Wirtschaft

1591 – 1798

Die besondere Lage Feuerthalens als nördlichstes Dorf des Kantons Zürich und als Brückenkopf der Stadt Schaffhausen spiegelt sich auch in seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Feuerthalen muss sich seine wirtschaftlichen Nischen hart erkämpfen. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit leben die allermeisten Dörfern von der Landwirtschaft. Handel und Handwerk sind den Städten vorbehalten. Sie besitzen dafür das Monopol. In den Dörfern dürfen sich in der Regel nur Handwerke und Gewerbe für den Eigenbedarf etablieren. In Feuerthalen ist das etwas anders.
Das Dorf ist für eine prosperierende Landwirtschaft im Vergleich mit dem übrigen Weinland nicht sehr geeignet. Die Flächen, die für Ackerbau genutzt werden können sind rar. Deshalb lassen sich in Feuerthalen nur wenige Bauern nieder. Etwas besser für die Landwirtschaft eignet sich Langwiesen, aber auch hier wachsen keine Bäume in den Himmel. Dafür entwickelt sich in Feuerthalen schon früh ein lebendiges Handwerk und Gewerbe. Die Feuerthaler möchten sich mit ihrem Kleingewerbe aber nicht nur auf die Bedürfnisse ihres Dorfes konzentrieren, sondern über die Grenzen hinaus tätig werden; attraktiv sind für sie vor allem die Durchreisenden von Schaffhausen nach Winterthur und Zürich. Da die Brücke über den Rhein während langer Zeit die einzige Verbindung von Schaffhausen nach Winterthur und Zürich bildet, müssen alle Reisenden Feuerthalen durchqueren. Zürich zeigt sich dem Feuerthaler Gewerbe gegenüber wiederholt grosszügig, was dem benachbarten Schaffhausen jedoch überhaupt nicht passt. Schaffhausen pocht auf seine Monopolrechte.
Am 1. September 1591 schliessen die Stadtstaaten Zürich und Schaffhausen deshalb einen Vertrag, der regelt, was in Feuerthalen erlaubt und was verboten ist. Der Vertrag verbietet es den Feuerthalern, Salz auf Gassen oder öffentlichem Grund zu verkaufen. Hingegen ist Salzhandel in den Häusern erlaubt, sofern das Salz mit der Hand ausgemessen wird. Das Ausüben von Handwerk und der Verkauf der entsprechenden Erzeugnisse wird erlaubt. In der Stadt Schaffhausen dürfen diese Erzeugnisse jedoch nur auf den Jahrmärkten angeboten werden. Weissbrot dürfen die Feuerthaler Bäcker nicht im Ort selber, sondern nur in Schaffhausen an den Mann bringen und zwar dort, wo dies auch die städtischen Bäcker tun. So können in Feuerthalen seither viele handwerkliche Tätigkeiten legal ausgeübt werden, allerdings nicht ohne grosse Einschränkungen.

Unter diesen Bedingungen entwickelt sich im 17. und 18. Jahrhundert eine gewerbliche Struktur, die nicht von der städtisch-zünftischen Monopolwirtschaft erstickt werden kann. So zählt Feuerthalen 1771 beispielsweise nur drei Bauern, die zudem alle einem Nebenerwerb nachgehen, aber 5 Rebmänner (allerdings ohne eigene Weinberge), 4 Wirte, 2 Gerber, 2 Dreher, 1 Glaser, 6 Bäcker, 1 Zimmermann, 2 Nagelschmiede, 2 Küfer, 3 Schuhmacher, 3 Schneider, 1 Näherin, 1 Kupferschmid, 1 Chirurg, 1 Scharfrichter, 3 Färber, 2 Metzger, 2 Hafner, 2 Strumpfweber, 1 Orgelmacher, 2 Knopfmacher, 1 Diamantschleifer, 3 Weber, 2 Tischmacher, 1 Kunstmaler, 1 Maurer, 1 Degenschmied. Dies alles bei lediglich 77 Haushaltungen und 323 Einwohnern vom Kleinkind bis zum Greis. Diese Nischenwirtschaft hat bis 1798 Bestand, als mit der Helvetischen Republik auch die Handels- und Gewerbefreiheit eingeführt wird.



Verzeichnis der Feuerthaler Handwerker und Gewerbler 1895.

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